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EINKAUFSWISSEN / ANGEBOTSPRÜFUNG

Seefracht-Angebot prüfen:
Position für Position.

Ein Seefrachtangebot ist erst vergleichbar, wenn klar ist, welche Positionen es enthält, bis wohin es reicht und welche Kosten später noch kommen können. Legen Sie Ihr Angebot neben das Musterangebot auf dieser Seite und prüfen Sie jede Zeile. Eine typische Lücke ist die „All-in“-Rate ohne die Kosten im Zielhafen.

Musterangebot: Diese Positionen gehören hinein

So ist ein vollständiges Angebot für einen Vollcontainer von Asien bis zu Ihrem Lager aufgebaut. Beträge stehen hier bewusst nicht, sie hängen von Route, Anbieter und Zeitpunkt ab. Entscheidend ist, dass jede Zeile in Ihrem Angebot einen Betrag, den Vermerk „nicht enthalten“ oder einen klaren Verweis auf einen Tarif hat.

PositionTypische BezeichnungDas prüfen
VorlaufPre-Carriage, Pick-up, Trucking OriginAbholadresse, Ladezeit am Werk, Wartezeit. Bei FOB trägt ihn der Lieferant.
Origin THCOTHC, THO, Origin Terminal HandlingEnthalten oder Sache des Lieferanten? Bei FOB liegt er in der Regel beim Verkäufer.
Export-ClearanceExport Customs Clearance, Export DeclarationWer meldet an, der Lieferant oder der Agent des Spediteurs? Enthalten oder extra?
Ocean FreightO/F, Basic Ocean FreightFür welche Abfahrt oder welchen Zeitraum? Häfen, Containerart, Transitzeit, direkt oder mit Umladung.
BAFBAF, Bunker, LSS, FFFFester Betrag oder „as per tariff at time of shipment“? Im zweiten Fall ändert er sich bis zur Abfahrt.
Weitere SeefrachtzuschlägePSS, GRI, EBS, ETS, CAF, HWSWelche sind enthalten, welche kommen dazu, welche stehen unter Vorbehalt?
ISPSISPS, Security FeeEinmal je Container, nicht zusätzlich unter anderem Namen.
ENS / ICS2ENS Fee, ICS2 FilingPro Frachtbrief oder pro Container? Wer meldet die Warendaten an?
DTHCDTHC, THD, DHC, Destination Terminal HandlingEnthalten? Wenn nicht, gehört sie dazu. Maersk verlangt für Deutschland ab 01.10.2026 300 € je Trockencontainer.
Import-ClearanceCustoms Clearance Import, VerzollungPauschale für wie viele Tarifpositionen? Kosten bei Beschau? Legt der Spediteur Zoll und Einfuhrumsatzsteuer gegen Provision vor, oder zahlen Sie über Ihr eigenes Aufschubkonto?
NachlaufOn-Carriage, Delivery, Trucking DestinationBis zur Rampe? Welche Wartezeit ist enthalten? Rückgabe des Leercontainers, Maut, Treibstoffzuschlag?
VersicherungCargo InsuranceEnthalten, optional oder ausgeschlossen? Deckungssumme, Selbstbehalt, Ausschlüsse.
Freetime und StandgeldFree Time, D&D, Demurrage, Detention, StorageWie viele freie Tage, getrennt oder kombiniert, ab wann gezählt, welche Sätze danach?

Musterstruktur für einen Vollcontainer von Asien nach Deutschland, keine Tarifaufstellung. Welche Positionen Sie tragen, hängt von der Lieferbedingung im Kaufvertrag ab.

Der Kopf des Angebots zählt genauso

Vor den Positionen stehen die Angaben, auf die sich alle Beträge beziehen: Angebotsdatum und Gültigkeit, Abfahrt oder Zeitraum, Lade- und Zielhafen, Lieferadresse, Containerart und Anzahl, Ware und Gewicht, Gefahrgut ja oder nein, Lieferbedingung und Währung. Stimmt hier etwas nicht mit Ihrer Anfrage überein, ist jede Zeile darunter fraglich.

Zur Versicherung ein Hinweis: Ohne eigene Transportversicherung haftet der Verfrachter nach § 504 HGB nur bis 666,67 Rechnungseinheiten je Stück oder 2 Rechnungseinheiten je Kilogramm, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Bei hochwertiger Ware reicht das oft nicht.

Quellen: Maersk DHC Deutschland, 01.09.2026 · Zoll: Zahlungsaufschub · § 504 HGB · ICC, Incoterms® 2020

Sieben typische Fallen im Seefrachtangebot

1. „All-in“ ohne DTHC

„All-in“ ist kein geschützter Begriff. Er kann Seefracht plus Zuschläge von Hafen zu Hafen meinen oder die Lieferung bis an Ihre Rampe. Fehlen die Kosten im Zielhafen, kommen sie auf einer eigenen Rechnung: bei Maersk ab 01.10.2026 für Deutschland 300 € je Trockencontainer, dazu Gebühren für Frachtbrief und Freistellung.

Prüffrage

„All-in bis wohin, und welche Positionen sind ausdrücklich nicht enthalten?“

2. Doppelte THC

Terminal Handling kann an drei Stellen auftauchen: in der Rate, als eigene Zeile und auf der Rechnung des Lieferanten. Kaufen Sie FOB, sind die Terminalkosten im Ladehafen in der Regel im Warenpreis enthalten. Steht die OTHC trotzdem im Frachtangebot, zahlen Sie sie zweimal. Am Ziel passiert dasselbe, wenn die DTHC in der All-in-Rate steckt und zusätzlich direkt beim Empfänger abgerechnet wird.

3. Kurze Gültigkeit

Spotraten gelten kurz. In den Drewry World Container Index gehen nur Raten ein, die mindestens 7 Tage und höchstens einen Monat gültig sind. Zuschläge ändern sich mit wenigen Wochen Vorlauf: Maersk kündigte den Hochsaisonzuschlag von Fernost nach Nordeuropa am 25.05.2026 für den 10.06. an und am 16.06. die Erhöhung auf 1.500 USD je 40′ zum 07.07. Klären Sie, ob sich die Gültigkeit auf das Angebotsdatum, die Buchung oder die Abfahrt bezieht.

4. Währung und Umrechnung

Seefracht und Seefrachtzuschläge stehen oft in US-Dollar, Hafen- und Inlandskosten in Euro. Bei Maersk etwa laufen PSS und EBS in USD, die DHC für Deutschland in EUR. Maßgeblich ist der Kurs bei der Rechnung, nicht beim Angebot. Maersk rechnet zum Kurs am Tag der ersten Rechnung für die Sendung um und kann einen prozentualen Umrechnungsaufschlag erheben. Zwischen dem 14. und dem 24.09.2026 fiel der EZB-Referenzkurs von 1,1551 auf 1,1367 USD je Euro. Bei 4.000 USD Seefracht sind das rund 56 € Unterschied.

5. „Subject to“-Klauseln

Formulierungen wie „subject to space and equipment availability“, „subject to GRI/PSS“ oder „surcharges as per tariff at time of shipment“ machen aus dem Angebotspreis eine Momentaufnahme. Maersk bestimmt Zuschläge bei Buchungen außerhalb des Spot-Produkts nach dem Price Calculation Date, also dem geplanten Abfahrtsdatum der ersten Seestrecke zum Zeitpunkt der Buchungsbestätigung. Ein Angebot mit festem Preis für eine konkrete Abfahrt ist deshalb besser planbar, auch wenn es zunächst teurer wirkt.

Prüffrage

„Welche Positionen stehen unter Vorbehalt, und bis zu welcher Abfahrt ist der Preis fest?“

6. Fehlende Freetime

Nennt das Angebot keine freien Tage, gelten die Standardbedingungen von Reederei und Terminal. Danach laufen Demurrage und Detention pro Tag und Container. Klären Sie Zahl der Tage, Beginn und Ende der Frist und ob beide Entgelte getrennt oder kombiniert zählen. Mehr dazu unter Lagergeld, Demurrage und Detention.

7. Zuschläge „at cost“

„At cost“ heißt: Der Anbieter reicht Kosten weiter, sobald sie anfallen. Das betrifft etwa Zollbeschau, Lagergeld oder Umfuhren und ist vorab nicht kalkulierbar. Beispiel: Eine Zollbeschau am HHLA-Terminal kostet nach dem Kaitarif 2026 allein an Terminalentgelten rund 448 € je Container. Fragen Sie nach dem zugrunde liegenden Tarif, einer Obergrenze und einem möglichen Aufschlag des Spediteurs.

Quellen: Maersk DHC Deutschland, 01.09.2026 · Drewry WCI-Methodik, Stand 01.01.2025 · Maersk PSS, 25.05.2026 · Maersk PSS, 16.06.2026 · Maersk EBS, Stand 18.03.2026 · Maersk Credit Terms, Ziffer 3 · EZB-Referenzkurse USD, 14. bis 24.09.2026 · Maersk-Bedingungen zu Demurrage und Detention · HHLA Kaitarif ab 01.01.2026, Ziffer 8.2, 8.3, 8.11

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Eine geschäftliche E-Mail-Adresse genügt für den Einstieg. Route und Containerdaten klären wir danach mit Ihnen.

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Zwei Angebote auf eine gemeinsame Basis bringen

Ein Angebot mit niedrigerer Rate ist nicht automatisch günstiger. Gehen Sie beim Vergleich in fünf Schritten vor:

1. Leistungsumfang festlegen

Beide Angebote müssen denselben Start, dasselbe Ziel, dieselbe Containerart und Anzahl, dieselbe Ware mit Gewicht und denselben Zeitraum abdecken. Endet eines am Hafen und das andere an Ihrer Rampe, vergleichen Sie zwei verschiedene Leistungen.

2. Positionen in dieselbe Liste übertragen

Übertragen Sie beide Angebote in die Zeilen des Musterangebots oben. Jede Zelle bekommt einen Betrag oder einen Status: „in der Rate enthalten“, „nicht enthalten“ oder „at cost“.

3. Lücken schließen, nicht schätzen

Fehlt eine Position, fragen Sie beim Anbieter nach. Bis zur Antwort bleibt sie als offen markiert. Eine eigene Schätzung vermischt Angebot und Annahme.

4. Eine Währung, ein Kurs

Rechnen Sie alle Dollar-Beträge mit demselben Kurs um, etwa dem EZB-Referenzkurs eines Stichtags. Das Kursrisiko bis zur Rechnung notieren Sie getrennt.

5. Bedingungen danebenstellen

Gültigkeit, Vorbehalte, Freetime, Transitzeit, Umladungen, Storno- und Umbuchungsregeln und Zahlungsziel gehören in den Vergleich. Sie entscheiden, wie viel Sie am Ende tatsächlich zahlen.

PositionAngebot AAngebot BFolge für den Vergleich
Seefracht mit BAFBetragBetragdirekt vergleichbar, gleiche Währung vorausgesetzt
DTHCenthaltennicht enthaltenbei B den Tarifwert der Reederei ergänzen
PSS, GRIfest bis zur genannten Abfahrt„subject to“bei B das Risiko notieren
FreetimeZahl der Tage genanntkeine Angabebei B nachfragen
ImportverzollungPauschale„at cost“bei B Tarif oder Obergrenze anfragen
Nachlaufbis Rampebis Hafenbei B ergänzen lassen

Beispielstruktur für den Vergleich zweier Angebote, ohne Beträge.

Welche Beträge in den einzelnen Zeilen realistisch sind, zeigt die Übersicht der Seefrachtkosten mit aktuellen Indexwerten und Zuschlägen.

Checkliste für die Angebotsprüfung

  • Start und Ziel stimmen mit Ihrer Anfrage überein, als Adresse oder Hafen
  • Containerart, Anzahl, Ware, Gewicht und Gefahrgutangabe sind richtig
  • Die Lieferbedingung ist geklärt und damit, wer die Kosten im Ursprung trägt
  • Jede Position hat einen Betrag, „nicht enthalten“ oder einen Tarifverweis
  • DTHC, Frachtbrief und Freistellung sind enthalten oder beziffert
  • THC taucht nicht doppelt auf: in der Rate, als eigene Zeile, beim Lieferanten
  • Zuschläge sind fest, oder der Vorbehalt ist benannt
  • Die Gültigkeit hat ein Datum und einen Bezug: Angebot, Buchung oder Abfahrt
  • Für jede Position ist die Währung und die Umrechnungsregel klar
  • Freetime: Zahl der Tage, Beginn, Sätze danach
  • ENS und ICS2: Wer meldet an, was kostet es?
  • Zollabfertigung: Pauschale, Kosten bei Beschau, Vorlage der Abgaben
  • Nachlauf bis zur Rampe mit Wartezeit und Leerrückgabe
  • Versicherung: enthalten, optional oder ausgeschlossen
  • Transitzeit, Umladungen, Stornierung und Umbuchung sind geregelt

Ist jeder Punkt abgehakt, wissen Sie, was Ihre Sendung bis zur Rampe kostet und wo noch Risiken liegen. Mit diesem Wissen lässt sich ein Vergleichsangebot sauber gegen Ihr bestehendes Angebot stellen.

Häufige Fragen

Was ist eine All-in-Rate in der Seefracht?

Eine Rate, die mehrere Positionen in einem Betrag zusammenfasst. Einen festen Standard gibt es nicht. Gemeint sein kann die Seefracht mit Zuschlägen von Hafen zu Hafen oder die Lieferung bis an Ihre Rampe. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, bis wohin die Rate reicht und was ausgeschlossen ist.

Was ist der Unterschied zwischen THC und DTHC?

THC ist der Oberbegriff für die Umschlagskosten am Containerterminal. Die OTHC fällt im Ladehafen an, die DTHC im Zielhafen. Wer sie trägt, regelt die Lieferbedingung. Bei FOB liegt die OTHC in der Regel beim Verkäufer, die DTHC beim Käufer.

Wie lange ist ein Seefrachtangebot gültig?

Das legt jeder Anbieter selbst fest. Die Spotraten im Drewry-Index gelten zwischen 7 Tagen und einem Monat. Zuschläge können sich auch innerhalb der Gültigkeit ändern, wenn das Angebot sie unter Vorbehalt stellt. Achten Sie auf das Datum und darauf, ob es sich auf das Angebot, die Buchung oder die Abfahrt bezieht.

Muss ich mein bisheriges Angebot offenlegen, um ein Vergleichsangebot zu bekommen?

Nein. Für ein Vergleichsangebot genügen Route, Containerart, Menge, Ware und Zeitraum. Den Vergleich mit Ihren bisherigen Konditionen können Sie selbst anhand der Checkliste machen.

Wer erstellt das Vergleichsangebot, und ist es garantiert günstiger?

Frachtexperten vermittelt Ihre Anfrage an einen Logistikanbieter. Das Angebot und gegebenenfalls den Transportvertrag erhalten Sie von diesem Anbieter. Das ist kein vollständiger Marktvergleich. Ein günstigerer Preis wird nicht garantiert: Das Angebot kann bessere Konditionen zeigen oder bestätigen, dass Ihr bestehendes passt. Für Sie ist die Anfrage kostenlos, bei erfolgreicher Vermittlung kann Frachtexperten eine Provision vom Logistikanbieter erhalten.

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