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EINKAUFSWISSEN / DOKUMENTE

Bill of Lading:
Wer das Original hat, bekommt den Container.

Das Bill of Lading (B/L), deutsch Konnossement, ist das Frachtdokument der Seefracht. Die Reederei bestätigt damit den Empfang der Ware und den Beförderungsvertrag. Als Wertpapier entscheidet es außerdem, wer die Ware im Zielhafen erhält. Ob Sie ein Original, eine Telex Release oder einen Seaway Bill brauchen, hängt von Zahlung und Vertrauen ab.

Was ist ein Bill of Lading?

Ein Bill of Lading ist ein Dokument, das der Verfrachter über die Seebeförderung ausstellt. Es hat drei Funktionen: Es bestätigt den Empfang der Ware, es beweist den Beförderungsvertrag, und es ist ein Wertpapier. Die Übergabe des Originals wirkt wie die Übergabe der Ware selbst. Die Rechtsgrundlage im deutschen Recht sind die §§ 513 ff. HGB.

FunktionWas sie bedeutetRechtsgrundlage
EmpfangsbestätigungDer Verfrachter bestätigt, die Ware in der beschriebenen Menge und äußerlichen Verfassung übernommen zu haben.§ 514 HGB
BeförderungsvertragDer Verfrachter verpflichtet sich, die Ware zum Bestimmungsort zu befördern und dort abzuliefern.§ 514 HGB
Wertpapier (Traditionspapier)Die Ware wird nur gegen Rückgabe eines Originals ausgeliefert. Wer das Original erhält, erwirbt Rechte an der Ware wie bei ihrer Übergabe.§§ 521, 524 HGB

Funktionen des Konnossements nach dem Handelsgesetzbuch, abgerufen am 29.09.2026. Maersk nennt dieselben drei Funktionen.

Das HGB unterscheidet zwei Formen. Das Bordkonnossement („shipped on board“) wird ausgestellt, wenn die Ware an Bord ist, und nennt Schiff und Verladedatum. Das Übernahmekonnossement („received for shipment“) bestätigt nur die Übernahme, etwa am Terminal, und bekommt später einen Bordvermerk. Banken verlangen im Akkreditivgeschäft in der Regel den Bordvermerk. Wie viele Originale ausgestellt werden, bestimmt der Ablader. Seit der Reform des Seehandelsrechts ist auch ein elektronisches Konnossement zulässig, wenn es dieselben Funktionen erfüllt (§ 516 Abs. 2 HGB).

Quellen: § 513 HGB · § 514 HGB · § 516 HGB · § 521 HGB · § 524 HGB · Maersk: What is a Bill of Lading, 02.10.2023

Was ist der Unterschied zwischen Original-B/L, Telex Release und Seaway Bill?

Beim Original-B/L gibt die Reederei den Container nur gegen Vorlage eines Originals frei. Bei der Telex Release werden die Originale im Abgangshafen zurückgegeben, und die Reederei gibt die Ware per Nachricht am Ziel frei. Ein Seaway Bill (Seefrachtbrief) ist kein Wertpapier: Die Ware geht ohne Dokument an den genannten Empfänger.

MerkmalOriginal-B/LTelex ReleaseSeaway Bill
Wertpapierjaja, bis die Originale zurückgegeben sindnein
Originale ausgestelltjaja, dann im Abgangshafen eingezogen (surrendered)nein
Freigabe im Zielhafengegen Rückgabe eines Originalsnach Freigabenachricht der Reederei, heute meist per E-Mail oder Systeman den benannten Empfänger nach Identifikation
Weiterverkauf der Ware unterwegsmöglich, durch Übertragung des Originalsnicht mehr, sobald eingezogennicht vorgesehen
Zahlung per Akkreditivüblichungeeignet, weil die Bank kein Original erhältungeeignet
Risiko für Sie als KäuferVerspätetes Original verursacht Standgeldgering, sobald die Freigabe vorliegtgering
Rechtsgrundlage§§ 513 ff. HGBPraxis der Reedereien auf Basis des Konnossements§ 526 HGB

Vergleich nach HGB und den Erläuterungen von Maersk, Stand 29.09.2026. Einzelheiten regeln die Bedingungen der jeweiligen Reederei.

Welche Form passt, hängt vor allem von der Zahlung ab. Zahlen Sie vor der Verschiffung oder gegen offene Rechnung, spricht viel für Seaway Bill oder Telex Release, weil kein Papier um die Welt reisen muss. Bei Akkreditiv oder Dokumenteninkasso behält der Verkäufer mit dem Original die Kontrolle, bis bezahlt ist. Manche Anbieter nennen den Seaway Bill auch Express Release. Das ist nicht dasselbe wie eine Telex Release, bei der zuerst Originale existieren.

Quellen: Maersk: Bill of Lading und Sea Waybill, 03.10.2023 · Maersk FAQ: Surrender des B/L · § 521 HGB · § 526 HGB

Was bedeuten Shipper, Consignee und Notify Party?

Der Shipper ist der Absender, der die Ware der Reederei übergibt, meist Ihr Lieferant. Der Consignee ist der Empfänger, an den oder an dessen Order die Ware ausgeliefert wird. Die Notify Party wird bei Ankunft des Schiffs benachrichtigt, oft der Importeur oder sein Verzoller. Sie hat allein dadurch kein Recht auf die Ware.

Im HGB heißen die Rollen Ablader, Empfänger und Meldeadresse. Steht im Feld Consignee „to order“ oder „to order of“ einer Bank, ist das Konnossement ein Orderpapier. Es wird durch Indossament übertragen, also durch einen Vermerk auf der Rückseite des Originals. So kann eine Bank die Ware als Sicherheit halten, bis Sie bezahlt haben. Achten Sie darauf, dass Name und Anschrift des Consignee exakt mit Handelsrechnung und Zollanmeldung übereinstimmen. Abweichungen verzögern die Freigabe.

Quellen: § 513 HGB · § 515 HGB

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Was ist ein House B/L und ein Master B/L?

Das Master B/L stellt die Reederei aus. Bucht ein Spediteur den Container, steht er dort als Shipper, sein Partner im Zielland als Consignee. Das House B/L stellt der Spediteur selbst für Ihre Sendung aus, mit Ihrem Lieferanten als Shipper und Ihnen als Consignee. Sie erhalten also meist nur das House B/L.

Für Sie als Importeur heißt das: Die Reederei gibt den Container an den Spediteur frei, gegen das Master B/L oder dessen Telex Release. Der Spediteur gibt die Ware an Sie frei, gegen das House B/L. Beide Stufen müssen funktionieren. Viele Spediteure verwenden für das House B/L das standardisierte FIATA Multimodal Transport Bill of Lading (FBL), das Banken als Wertpapier anerkennen. Auch beim EU-Zollsystem ICS2 zählen beide Ebenen: Der Spediteur muss die Daten seines House B/L gesondert anmelden, sonst kann der Container nicht verladen werden. Mehr dazu unter Seefracht-Zuschläge im Abschnitt zu ICS2 und ENS.

Quellen: FIATA: FIATA Bill of Lading · Maersk zu ICS2-Teilanmeldungen, 20.07.2026

Welche Angaben stehen im Bill of Lading, und gibt es eine Vorlage?

Eine allgemeingültige Bill-of-Lading-Vorlage gibt es nicht. Jede Reederei und viele Spediteure verwenden eigene Formulare. Welche Angaben hineingehören, legt § 515 HGB fest. Prüfen Sie den Entwurf (Draft B/L) vor der Ausstellung, denn Korrekturen am Original kosten Zeit und oft eine Gebühr.

  • Ort und Tag der Ausstellung
  • Name und Anschrift von Ablader (Shipper), Verfrachter und Empfänger (Consignee) sowie die Meldeadresse (Notify Party)
  • Name des Schiffs, Abladungshafen und Bestimmungsort
  • Art der Ware und ihre äußerlich erkennbare Verfassung
  • Maß, Zahl oder Gewicht sowie Merkzeichen, bei Containern auch Container- und Siegelnummer
  • Fracht und Frachtzahlungsvermerk, etwa „freight prepaid“ oder „freight collect“
  • Zahl der Originalausfertigungen

Die Stückzahl hat auch Folgen für die Haftung: Nur einzeln aufgeführte Packstücke zählen bei der Haftungsgrenze der Reederei als eigene Einheit. Wie wenig die Reederei im Schadenfall zahlt, erklärt der Ratgeber zur Transportversicherung in der Seefracht.

Quellen: § 515 HGB · § 504 HGB

Was passiert, wenn das Original-B/L zu spät kommt?

Die Reederei gibt den Container nicht frei, denn sie darf nur gegen Rückgabe eines Originals ausliefern (§ 521 HGB). Der Container bleibt im Terminal, und nach Ablauf der freien Tage läuft Demurrage. Im Importtarif von Hapag-Lloyd für Deutschland kostet ein 40′-Standardcontainer in der ersten Staffel 120 € pro Tag, danach mehr.

Dazu kann Lagergeld des Terminals kommen, sofern die Reederei es nicht schon in der Demurrage abrechnet. Die Tarife und ein Rechenbeispiel stehen unter Lagergeld, Demurrage und Detention. So vermeiden Sie das Problem:

  • Vereinbaren Sie mit dem Lieferanten eine Telex Release oder einen Seaway Bill, wenn keine Bank beteiligt ist.
  • Lassen Sie die Originale per Kurier verschicken, sobald sie ausgestellt sind, und fordern Sie die Sendungsnummer an.
  • Prüfen Sie beim Akkreditiv, wie lange Bank und Dokumentenweg brauchen, im Vergleich zur Laufzeit des Schiffs.
  • Ist das Original verloren, geben manche Reedereien gegen eine Garantieerklärung (Letter of Indemnity), oft mit Bankgarantie, frei. Die Bedingungen legt die Reederei fest.

Wie Dokumente, Verzollung und Abholung ineinandergreifen, zeigt der Ablauf Container-Import Schritt für Schritt. Die Anmeldung beim Zoll erklärt der Ratgeber zur Container-Zollabfertigung.

Quellen: § 521 HGB · Hapag-Lloyd Tarif Import Deutschland 2026 (PDF)

Häufige Fragen

Was heißt Bill of Lading auf Deutsch?

Konnossement. Im deutschen Handelsgesetzbuch regeln die §§ 513 ff. HGB, wann der Verfrachter ein Konnossement ausstellen muss, welche Angaben es enthält und wie die Ware ausgeliefert wird. Der Seaway Bill heißt auf Deutsch Seefrachtbrief (§ 526 HGB). Umgangssprachlich wird auch „Frachtbrief“ oder kurz „B/L“ verwendet.

Wer stellt das Bill of Lading aus?

Der Verfrachter, also die Reederei oder ein Spediteur, der die Seebeförderung im eigenen Namen übernimmt. Unterschreiben dürfen der Kapitän oder vom Reeder bevollmächtigte Personen. Die Reederei stellt das Master B/L aus, ein Spediteur das House B/L für die einzelne Sendung. Der Ablader bestimmt, auf wessen Order es lautet und wie viele Originale es gibt.

Was kostet eine Telex Release?

Einen einheitlichen Preis gibt es nicht. Reedereien und Spediteure berechnen die Telex Release je nach Tarif als eigene Gebühr. Fragen Sie im Angebot nach, ob die Gebühr enthalten ist und wer sie trägt. Stellen Sie sie dem Standgeld gegenüber, das ein Container kostet, der wegen fehlender Originale im Hafen wartet.

Kann ich den Container ohne Original-B/L abholen?

Nur, wenn eine Telex Release vorliegt, ein Seaway Bill ausgestellt wurde oder die Reederei gegen eine Garantie freigibt. Beim Original-B/L darf die Reederei nach § 521 HGB nur gegen Rückgabe eines Originals ausliefern. Liefert sie an einen Nichtberechtigten, haftet sie. Deshalb geben Reedereien Container ohne Nachweis in der Regel nicht frei.

Ist ein elektronisches Bill of Lading gültig?

Ja, nach § 516 Abs. 2 HGB steht ein elektronisches Konnossement dem Papier gleich, wenn es dieselben Funktionen erfüllt und Echtheit und Unversehrtheit gesichert sind. In der Praxis hängt die Nutzung davon ab, ob Reederei, Verkäufer und gegebenenfalls Bank dieselbe Plattform akzeptieren. Fragen Sie danach bei der Buchung.

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