Wie viel haftet die Reederei in der Seefracht?
Nach deutschem Seehandelsrecht haftet der Verfrachter für Verlust oder Beschädigung höchstens mit 666,67 Sonderziehungsrechten (SZR) je Stück oder 2 SZR je Kilogramm Rohgewicht, je nachdem, welcher Betrag höher ist (§ 504 HGB). Am 29.09.2026 entsprach 1 SZR rund 1,20 €. Die Haager-Visby-Regeln setzen international dieselben Grenzen.
Zwei Punkte machen die Haftung zusätzlich schwach. Erstens entfällt sie ganz, wenn der Schaden auf Umständen beruht, die auch ein sorgfältiger Verfrachter nicht hätte abwenden können (§ 498 Abs. 2 HGB). Zweitens zählt bei Containern jedes im Frachtbrief einzeln aufgeführte Stück als Einheit. Fehlen solche Angaben, gilt der ganze Container als ein Stück. Wie Stückzahl und Gewicht im Frachtbrief stehen, erklärt der Ratgeber zum Bill of Lading.
Der Sonderziehungsrecht-Kurs ist eine Rechnungseinheit des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er schwankt täglich mit einem Korb aus US-Dollar, Euro, Yen, Pfund und Renminbi. Am 29.09.2026 lag er beim IWF bei 1,35885 USD, mit dem dort genannten Euro-Kurs von 1,1348 USD umgerechnet bei rund 1,197 €.
Quellen: § 504 HGB · § 498 HGB · SDR-Protokoll 1979 zu den Haager-Visby-Regeln, Art. IV Nr. 5 · IWF: SDR-Bewertung, 29.09.2026 (abgerufen 29.09.2026)
Warum reicht die Haftung der Reederei oft nicht?
Weil sie sich nach Gewicht oder Stückzahl richtet, nicht nach dem Warenwert. Ein 40′-Container mit 20 Paletten Elektronik zu je 500 kg wiegt 10 Tonnen. Die Reederei haftet dafür mit höchstens 20.000 SZR, rund 23.950 €. Ist die Ware 150.000 € wert, bleiben bei Totalverlust etwa 126.000 € ungedeckt, selbst wenn die Reederei voll haftet.
| Rechenschritt | Je Palette | 20 Paletten |
|---|---|---|
| Grenze je Stück | 666,67 SZR | 13.333 SZR |
| Grenze je kg (2 SZR × 500 kg) | 1.000 SZR | 20.000 SZR |
| Maßgeblich ist der höhere Betrag | 1.000 SZR | 20.000 SZR, rund 23.950 € |
| Warenwert (Annahme) | 7.500 € | 150.000 € |
| Ungedeckt bei Totalverlust | rund 126.000 € |
Rechenbeispiel nach § 504 HGB, SZR-Kurs des IWF vom 29.09.2026 (1 SZR rund 1,197 €). Annahme: Die Reederei haftet dem Grunde nach und die Paletten sind im Frachtbrief einzeln aufgeführt.
Die Stück-Grenze nützt vor allem bei leichter, wertvoller Ware in vielen einzeln deklarierten Packstücken. Bei schwerer Ware entscheidet das Gewicht. In beiden Fällen gilt: Die Haftung ist eine Obergrenze. Ob die Reederei überhaupt zahlt, hängt davon ab, dass Sie ihr ein Verschulden nachweisen können oder sie sich nicht entlasten kann.
Quellen: § 504 HGB · IWF: SDR-Bewertung, 29.09.2026
Was ist große Haverei, und warum zahlen Sie dafür?
Große Haverei (General Average) bedeutet: Opfert oder beschädigt der Kapitän Schiff oder Ladung, um alle aus einer gemeinsamen Gefahr zu retten, tragen Schiff und Ladung die Kosten gemeinsam (§ 588 HGB). Sie zahlen also auch dann anteilig, wenn Ihr Container unbeschädigt ist. Bis Sie Sicherheit leisten, kann die Reederei die Ware zurückhalten.
Zwei Fälle zeigen die Größenordnung. Nach dem Brand auf der Maersk Honam im März 2018 setzte der Havarie-Dispacheur eine Sicherheit von 42,5 % des CIF-Warenwerts für die Bergung und weitere 11,5 % für die große Haverei fest. Für einen Container im Wert von 100.000 USD waren das 54.000 USD Sicherheit, bevor die Ware freikam. Nach der Havarie der Ever Given im Suezkanal im März 2021 erklärte der Eigner ebenfalls große Haverei. Der Weltspediteursverband FIATA wies darauf hin, dass Eigentümer unversicherter Ladung die Sicherheit selbst stellen müssen.
Alle drei Klauselsätze der Institute Cargo Clauses decken Beiträge zur großen Haverei. Der Versicherer gibt dann eine Havarie-Garantie ab, und der Container wird ohne Barzahlung freigegeben.
Quellen: § 588 HGB · Roanoke zur Maersk Honam, 09.07.2018 · FIATA zur Ever Given, 08.04.2021 · Munich Re: Institute Cargo Clauses im Vergleich, 2024
KOSTENLOS & UNVERBINDLICH
Seefracht neu vergleichen? Vergleichsangebot anfordernEine geschäftliche E-Mail-Adresse genügt für den Einstieg. Route und Containerdaten klären wir danach mit Ihnen.
ANFRAGE ERFASST
Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ihre Anfrage ist bei uns eingegangen. Wir melden uns per E-Mail, um Route und Transportdaten abzustimmen. Wenn Sie die Angaben schon kennen, können Sie sie hier ergänzen.
Transportdaten ergänzen · freiwillig +
Welcher Versicherungswert ist in der Seefracht üblich?
Üblich ist der CIF-Wert plus 10 %, also Warenwert, Fracht und Versicherungskosten zuzüglich eines Aufschlags für den entgangenen Gewinn. Die Incoterms® 2020 schreiben bei CIF genau dieses Minimum vor: mindestens 110 % des Vertragspreises in der Vertragswährung. Die 10 % heißen in der Versicherungssprache imaginärer Gewinn.
Ein Beispiel: Warenwert 150.000 € und Seefracht rund 3.100 €, das entspricht dem WCI von Shanghai nach Rotterdam am 24.09.2026 mit 3.485 USD. Der CIF-Wert liegt dann bei etwa 153.100 € zuzüglich Prämie, die Versicherungssumme bei rund 168.400 €. Ist die Summe zu niedrig angesetzt, zahlt der Versicherer im Schadenfall unter Umständen nur anteilig. Die genaue Regel steht in Ihrer Police.
Quellen: ICC, Incoterms® 2020, CIF A5 · GDV Transport-Informations-Service: Imaginärer Gewinn · Drewry WCI, 24.09.2026
Was ist der Unterschied zwischen Institute Cargo Clauses A, B und C?
Die Institute Cargo Clauses sind internationale Standardbedingungen für Transportversicherungen. Klausel A deckt alle Gefahren außer den ausdrücklich ausgeschlossenen. B und C decken nur benannte Gefahren. C ist die Mindestdeckung, die bei CIF genügt, und schließt etwa Seewasser, Diebstahl und Bruch nicht ein. Für Fertigwaren sehen die Incoterms® bei CIP deshalb ICC (A) vor.
| Schaden durch | ICC (A) | ICC (B) | ICC (C) |
|---|---|---|---|
| Feuer, Explosion | ja | ja | ja |
| Strandung, Sinken, Kentern, Kollision | ja | ja | ja |
| Beitrag zur großen Haverei, Seewurf | ja | ja | ja |
| Erdbeben, Vulkanausbruch, Blitz | ja | ja | nein |
| Über Bord gespült | ja | ja | nein |
| Eindringen von See- oder Flusswasser in Laderaum oder Container | ja | ja | nein |
| Totalverlust eines Packstücks beim Laden oder Löschen | ja | ja | nein |
| Regenwasser | ja | nein | nein |
| Bruch, Fehlmengen, Diebstahl | ja | nein | nein |
| Unzureichende Verpackung, innerer Verderb, Verspätung | nein | nein | nein |
| Insolvenz der Reederei | nein | nein | nein |
| Krieg, Streik, Terror | nur mit Zusatzklauseln | nur mit Zusatzklauseln | nur mit Zusatzklauseln |
Deckungsumfang der Institute Cargo Clauses 2009 nach der Übersicht von Munich Re, Stand 2024. Maßgeblich ist der Wortlaut Ihrer Police.
In Deutschland verwenden viele Versicherer statt der englischen Klauseln die DTV-Güterversicherungsbedingungen des Gesamtverbands der Versicherer (GDV). Dort heißt die umfassende Variante „volle Deckung“. Die eingeschränkte Strandungsfalldeckung entspricht laut GDV den ICC (C).
Quellen: Munich Re: Institute Cargo Clauses im Vergleich, 2024 · ICC Academy: CIP oder CIF, 07.10.2024 · GDV Transport-Informations-Service: Strandungsfalldeckung
Was kostet eine Transportversicherung für Seefracht?
Eine allgemeingültige Prämie gibt es nicht, und belastbare öffentliche Durchschnittswerte liegen nicht vor. Versicherer berechnen die Prämie als Satz auf die Versicherungssumme. Die Höhe hängt vor allem von Warenart, Route, Deckungsumfang, Verpackung und Ihrer Schadenhistorie ab. Ein konkretes Angebot erhalten Sie beim Versicherer oder Versicherungsmakler.
- Warenart: Diebstahlgefährdete oder bruchempfindliche Güter kosten mehr als robuste Massenware.
- Deckungsumfang: ICC (A) kostet mehr als (C). Krieg und Streik kommen als eigene Klauseln dazu.
- Route und Umladungen: Häfen, Umladungen und Gebiete mit erhöhtem Risiko, etwa das Rote Meer, beeinflussen den Satz.
- Selbstbehalt: Ein höherer Selbstbehalt senkt die Prämie.
- Einzelpolice oder Jahrespolice: Wer regelmäßig importiert, schließt meist eine laufende Police für alle Sendungen ab.
- Verpackung und Stauung: Mängel hier sind in allen Klauseln ausgeschlossen, sie sind Ihre Sache.
In einem Frachtangebot erscheint die Versicherung oft als eigene Zeile oder als „optional“. Prüfen Sie, ob sie enthalten ist und mit welcher Deckung. Die übrigen Positionen einer Sendung zeigt die Übersicht der Seefrachtkosten.
Diese Seite erklärt Begriffe und Rechtsgrundlagen. Sie ersetzt keine Beratung durch einen Versicherer oder zugelassenen Versicherungsmakler. Frachtexperten vermittelt keine Versicherungen.
Wer schließt die Transportversicherung ab, Käufer oder Verkäufer?
Das regelt die Lieferbedingung im Kaufvertrag. Nur bei CIF und CIP muss der Verkäufer eine Versicherung zugunsten des Käufers abschließen, bei CIF mindestens ICC (C), bei CIP mindestens ICC (A). Bei FOB, FCA und EXW trägt der Käufer das Risiko ab Übergabe und sollte selbst versichern. Eine Pflicht zur Versicherung gibt es dann nicht.
Beim Import aus Asien mit FOB geht die Gefahr auf Sie über, sobald die Ware an Bord ist. Ab dann ist sie ohne eigene Police nur über die begrenzte Reedereihaftung abgesichert. Bei CIF zahlt zwar der Verkäufer die Versicherung, er wählt aber Versicherer und Deckung. Im Schadenfall sitzt Ihr Ansprechpartner dann häufig im Ausland. Welche Klausel für Ihren Einkauf passt, erklärt der Ratgeber zu den Incoterms beim Import.
Quellen: ICC, Incoterms® 2020 · ICC Academy: CIP oder CIF, 07.10.2024
Häufige Fragen
Ist eine Transportversicherung für Seefracht Pflicht?
Gesetzlich nein. Eine Pflicht entsteht nur aus dem Kaufvertrag: Bei CIF und CIP muss der Verkäufer eine Versicherung abschließen. Kaufen Sie FOB oder EXW, tragen Sie das Transportrisiko und entscheiden selbst. Ohne Versicherung bleibt nur die gesetzliche Haftung der Reederei von höchstens 2 SZR je Kilogramm oder 666,67 SZR je Stück, rund 2,40 € je kg.
Haftet die Reederei, wenn mein Container über Bord geht?
Grundsätzlich ja, aber nur bis zur Höchstgrenze nach § 504 HGB und nur, wenn sie sich nicht entlasten kann. Das gelingt ihr, wenn der Verlust auch bei aller Sorgfalt nicht zu verhindern war. Eine Versicherung nach ICC (A) oder (B) deckt das Überbordspülen, ICC (C) nicht.
Was passiert bei großer Haverei ohne Versicherung?
Sie müssen Ihren Anteil an den Kosten selbst sichern, meist durch Barsicherheit oder Bankgarantie, bevor die Reederei den Container freigibt. Bei der Maersk Honam 2018 lag die geforderte Sicherheit bei insgesamt 54 % des CIF-Warenwerts. Ein Versicherer stellt stattdessen eine Havarie-Garantie, die Kosten trägt dann er.
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Üblich sind 110 % des CIF-Werts: Warenwert, Fracht und Versicherung plus 10 % für den entgangenen Gewinn. Das ist auch das Minimum, das die Incoterms® 2020 bei CIF vom Verkäufer verlangen. Welche Nebenkosten darüber hinaus versichert sind, regelt Ihre Police im Einzelnen.
Übernimmt Frachtexperten die Versicherung?
Nein. Frachtexperten vermittelt Anfragen für Seefracht im Vollcontainer an einen Logistikanbieter und vermittelt keine Versicherungen. Ob ein Frachtangebot eine Versicherung enthält, steht im Angebot selbst. Für die Wahl von Police und Deckung wenden Sie sich an einen Versicherer oder Versicherungsmakler.